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Demografische Offensive

Posted in Politik by raidermxd on May 24, 2010

Politiker der Union haben unlängst die “Demografische Offensive” aus der Taufe gehoben, bei der es kurz zusammengefasst darum geht, die Sozialversicherungssysteme durch das Ankurbeln der Reproduktionsrate der Bevölkerung zu retten. Dazu sind eine Reihe von Maßnahmen angedacht, z.B. der Ausbau von Kinderbetreuungsplätze oder auch eine sogenannte “Mütterquote”, d.h. die Bevorzugung von Eltern bei der Vergabe von Jobs.

Auf den ersten Blick mag es durchaus plausibel klingen, den in die Schieflage geratenen Generationenvertrag durch eine Vergrößerung der Anzahl potentieller Beitragszahler wieder ins Lot bringen zu wollen, dieser Ansatz ist aber meiner Meinung nach in mehrfacher Hinsicht problematisch. Zunächst einmal wäre da das Problem, dass die Alterspyramide bereits eine schwere Delle aufweist und die lässt sich durch eine Steigerung der Geburtenrate zum jetzigen Zeitpunkt nicht mehr ausbügeln, da diese zusätzlichen Kinder schlicht und ergreifend zu spät kämen.

Es führt also de facto kein Weg daran vorbei, mit den bereits vorhandenen Verwerfungen zu leben oder sie durch Zuwanderung aufzufüllen. Damit wären wir dann bereits beim zweiten Problem, das sowohl zugewanderte Menschen als auch potentiellen zusätzlichen Nachwuchs betreffen würde. Einfach nur die Anzahl der Menschen zu erhöhen bringt den Sozialkassen rein gar nichts, denn ein Bevölkerungszuwachs wird in diesem Sinne nur dann wirksam, wenn aus den Menschen auch Beitragszahler werden, sprich sozialversicherungspflichtige Jobs zur Verfügung stehen. An dieser Front sieht es jedoch zumindest im Moment eher düster aus, denn von der gegenwärtigen Bevölkerung ist derzeit ein guter Teil ganz ohne Beschäftigung und viele andere arbeiten zwar, sind jedoch aufgrund der Arbeitsverhältnisse dennoch auf staatliche Unterstützung angewiesen. In diesem Zusammenhang wird zwar auch immer mit einem potentiellen Fachkräftemangel durch Bevölkerungsrückgang argumentiert, doch da die beiden eben erwähnten Gruppen mehrere Millionen Menschen umfassen, dürfte es eine ganze Weile dauern, bis der Überhang am Arbeitsmarkt dem demographischen Wandel zum Opfer fällt.

Darüber hinaus ist fraglich, ob die angedachten Maßnahmen den gewünschten Effekt erzielen. Nur damit ich nicht missverstanden werde, ich bin durchaus dafür den vorhandenen Kindern die bestmöglichen Chancen zu bieten, nur ob damit auch automatisch eine signifikante Erhöhung der Geburtenrate einhergeht, ist aus meiner Sicht mindestens zweifelhaft. Ähnliche Hoffnungen hatte die ehemalige Familienministerien von der Leyen ja bereits mit dem Elterngeld verbunden und die wurden enttäuscht.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Menscheit global betrachtet zwar eine Menge Dinge gebrauchen könnte, aber eine erhöhte Geburtenrate gehört mit Sicherheit nicht dazu. Für 2050 wurde vor einer Weile die Weltbevölkerung von der Uno auf 9,2 Milliarden Menschen prognostiziert und ich glaube gegenwärtig hat kaum jemand eine Idee, wie ein menschenwürdiges Leben für all diese Leute sichergestellt werden soll, wenn das nicht mal mit rund 6 Milliarden auch nur ansatzweise gelingt und möglicherweise zusätzliche Probleme wie z.B. die Verknappung fossiler Brennstoffe ins Haus stehen.

Mein Rat an die Vertreter der Union, die sich dieses Konzept ausgedacht haben, das fallen zu lassen und sich darum zu bemühen, die Sozialversicherungssysteme and die Lebenswirklichkeit der Menschen anzupassen anstatt wie mit der angedachten “demografischen Offensive” vorgesehen den umgekehrten Weg zu gehen. Ein Bevölkerungsrückgang ist kein Beinbruch auch wenn die Umstellungsphase sicher weh tut, aber letztlich kommt es darauf an, die geänderten Verhältnisse bei der Ausgestaltung der staatlichen Rahmenbedingungen angemessen zu berücksichtigen. Das entbindet natürlich nicht von der Pflicht, für Eltern und Kinder die Angebote zur Verfügung zu stellen, die für das Heranwachsen einer glücklichen und gut ausgebildeten Folgegeneration erforderlich sind.

One Response

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  1. […] ohnehin zweifelhaft war und daher eine Umgestaltung der Sozialversicherungssysteme dem Herumgebastel am hiesigen demografischen Wandel vorzuziehen wäre. Zumindest sollte dieses Instrument aber an die Bedürftigkeit gekoppelt werden, […]


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